Rollende Arztpraxis schrieb Erfolgsgeschichte

Dankeschön an alle Beteiligten und Innovationspreis zum Abschluss

Foto: Über den gewonnenen Preis freuen sich vor der Rollenden Arztpraxis: Corinna Pregla (Land der Ideen Management), Dr. Herbert Heinecke (Allianz für die Region), Wolfenbüttels Landrätin Christiana Steinbrügge, Rainer Rinne (AOK Regionaldirektor), Dieter Hadamitzy (Direktor der Privat- und Firmenkundenbank Braunschweig der Deutschen Bank), Dr. med. Jürgen Bohlemann, Arzt der "Rollenden Arztpraxis", Stefan Hofmann, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Braunschweig, und Dr. med. Silke Wachsmuth-Uhrner, Ärztin der "Rollenden Arztpraxis". Foto: U. Köster


Seit August 2013 war die Rollende Arztpraxis im Landkreis Wolfenbüttel unterwegs. Nach fast eineinhalb Jahren läuft das von starken regionalen Partnern gemeinsam auf den Weg gebrachte Pilotprojekt der Initiative „Zukunftsregion Gesundheit“ wie vorgesehen zum Jahresende aus.

Heute fand die offizielle Abschlussveranstaltung im Schützenhaus in Winnigstedt statt. Die Projektverantwortlichen dankten allen Beteiligten und zogen eine durchweg positive Bilanz. „Das Projekt hat deutlich gemacht, dass mobile ärztliche Versorgung auf dem Land machbar und möglich ist. Das Angebot wurde gut angenommen, auch das Interesse der Medien war groß“, freute sich Landrätin Christiana Steinbrügge.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Preisverleihung für die gewonnene Auszeichnung im Innovationsprojekt „Deutschland. Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“. Den Preis überreichten Corinna Pregla (Land der Ideen Management) und Direktor Dieter Hadamitzy von der Privat- und Firmenkundenbank der Deutschen Bank in Braunschweig.

Zielgruppe ältere Menschen erreicht

Von Beginn an wurde die Rollende Arztpraxis vom Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik der Technischen Universität Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover (PLRI) wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Die abschließende Bilanz kommt zu dem Ergebnis: Es nahmen genau diejenigen Menschen die Leistungen der Rollenden Arztpraxis in Anspruch, die zuvor als Zielgruppe angedacht waren. Dabei handelt es sich überwiegend um ältere und wenig mobile Patientinnen und Patienten. Das Durchschnittsalter beträgt 69,1 Jahre. Oftmals leiden sie an chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Diabetes. Über die Hälfte von ihnen kommt mit zwei oder mehr Diagnosen in die mobile Hausarztpraxis, die von Mitgliedern aller beteiligten Krankenkassen in Anspruch genommen wird. Insgesamt gab es rund 500 Patientenkontakte.

Das Fazit lautet daher:

  • Die Rollende Arztpraxis kann die ambulante ländliche hausärztliche Gesundheitsversorgung ergänzen und dabei bis zu 50 Prozent der Kapazität einer Hausarztpraxis erreichen.
  • Die Rollende Arztpraxis wird von den Patienten angenommen. Alle Patienten sind mit der Behandlung zufrieden oder sehr zufrieden.
  • Die Rollende Arztpraxis kann als subventioniertes Modell zur Ergänzung der Daseinsvorsorge betrieben werden.

Zukunft offen

Damit wurden die wesentlichen Projektziele erreicht. Gemeinsam sind die Projektpartner zu der Entscheidung gekommen, das Projekt wie vorgesehen abzuschließen. Das hat mehrere Gründe:

Die Ärztekammer Niedersachsen hat die Ausnahmegenehmigung für die rollende Praxis nur befristet bis zum Jahresende erteilt. Vor allem aber ist die Auslastung der mobilen Praxis insgesamt noch zu gering. „Dass die Rollende Arztpraxis unter den gegebenen Umständen nur als subventioniertes Modell betrieben werden kann, war allen Beteiligten von Anfang an klar“, sagt Stefan Hofmann, Geschäftsführer der Bezirksstelle Braunschweig der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Er bestätigt, dass mit dem Auslaufen des Projektes „Rollende Arztpraxis“ für den Landkreis Wolfenbüttel keine ärztliche Versorgungslücke entsteht.

Landrätin Christiana Steinbrügge: „Trotz der positiven Zwischenbilanz scheint die Rollende Arztpraxis noch nicht das geeignete Instrument für unsere Region zu sein. Offenbar ist die ärztliche Versorgung für unseren Bereich derzeit noch ausreichend.“

Wie der speziell ausgerüstete Kleinbus der Rollenden Arztpraxis auch nach dem Ende des Projektes sinnvoll weiter genutzt werden kann, wird derzeit noch geprüft. Es gibt Anfragen aus der Region, aber auch aus dem Ausland.

Zu den Projektpartnern zählen die Allianz für die Region GmbH, die AOK Niedersachsen, das Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum (BITZ) GmbH, die Deutsche BKK, die Barmer Ersatzkasse, die Kassenärztli-che Vereinigung Niedersachsen (KVN), der Landkreis Wolfenbüttel, das Peter L. Reichertz Institut für Medizini-sche Informatik der Technischen Universität Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover (PLRI), die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG), Volkswagen Nutzfahrzeuge sowie die Initiatoren der „Zukunftsregion Gesundheit“.